So langsam geht’s wieder Bergauf

So langsam bin ich wieder auf dem Weg gesund zu werden. Hatte eine dicke Erkältung und war so ziemlich an’s Bett gefesselt. Nein, keine ominöse Männergrippe. Ich habe nicht gejault und mich selbst bedauert. Das mache ich bereits in vielen anderen Lebenslagen, da muss es hier nicht auch noch sein. Nein, es war eine fiese Erkältung, mit Husten, sehr unangenehmem Schnupfen, gefühlte tausend mal in der Nacht auf Toilette rennen – wobei rennen hier nicht Wörtlich zu sehen ist -, leichte Heiserkeit (wobei reden nicht zwingend notwendig war) und dieses furchtbare kratzen im Hals, weil der gesamte Bereich um das Gaumenzäpfchen herum schmerzhaft angeschwollen ist.

Nun geht es aber so langsam wieder, wie bereits erwähnt. Und Heute hatte ich das Bedürfnis einfach mal raus zu gehen. Einen kleinen Spaziergang machen, um den Kreislauf etwas anzukurbeln und dem Körper allgemein etwas Gutes zu tun, statt immer nur in der völlig überheizten Bude zu hocken. Dem inneren Drang folgend, zog ich mich dann um 3 Uhr Nachtmittags herum möglichst warm an, steckte zur Vorsicht meine Mütze ein, nahm auch meine kleine Digitalkamera mit und ging los. Ohne Ziel.

Mein erster Weg führte mich zum Zentralfriedhof. Ich wollte nicht die offene und zudem auch noch enge Straße zwischen dem Zentralfriedhof und dem kleineren Friedhof auf der anderen Seite nutzen. Das wäre wegen der teils echt schnellen Autos ziemlich waghalsig. Ich ging daher über den großen Friedhof, hinter der Kapelle entlang, hoch zu einem weiteren Teil, der über eine kleine Gartenpforte zur Straße (mit Zebrastreifen) führte, über die man zum gegenüberliegenden Friedhof kam.

Dort zögerte ich allerdings. Ich wollte auf diesem Friedhof auf einer Bank sitzen und ein, zwei Videos für meinen Youtubekanal aufnehmen. Ließ es dann aber doch sein und ging statt dessen zurück, über den Zentralfriedhof und dann den Geh-/ und Fahrradweg an der Pottenhausener Straße entlang. Es tat mir gut, das merkte ich. Mir war zwar ein klein wenig schwummerig, aber mein Kreislauf blieb stabil.

An meinem vorläufigen Ziel angekommen sah ich mehr oder weniger zufällig in der Ferne den Stadtwald, wie er dank des Herbstes und der Sonnenstrahlen in den schönsten Farben leuchtete. Leider war er zu weit weg und ich nicht in der richtigen Höhe und Position, dieses Naturpanorama aufzunehmen. Meiner Intuition folgend ging ich mehr oder weniger schnellen Schrittes in Richtung des Flusses, der am dritten und kleinsten Friedhof unserer Stadt entlang floss, in dessen Nähe ich mich eh gerade aufhielt. Ich erinnerte mich, dass unter der Gleisbrücke am Kopfende des Friedhofs meine damaligen Kommilitonen und ich vor vielen Jahren ein Feuer gemacht hatten.

Nun lagen da nichts weiter als leere Spraydosen herum und die Wand des Bogens war beschmiert worden. Zudem war alles überwuchert mit Pflanzen. Und der Ausblick auf den Stadtwald war auch nicht berauschend. Ich musste irgendwie auf das Gleis drauf. Doch lag es zu weit oben und ich war zu ungelenkig. Also ging ich zurück zur Straße und überlegte noch: gehe ich jetzt den ganzen Weg zu Fuß bis zum Stadtwald? Das schien mir aber zu weit. Daher beschloss ich auf den kleinen Friedhof zu gehen, sah aber schon in der Ferne die Sonne langsam am Horizont verschwinden, die ohnehin teils von dicken Wolken blockiert wurde. Ich war mir nicht sicher ob ich es rechtzeitig schaffen würde.

Auf dem kleinen Friedhof angekommen und am Kopfende gelandet, sah ich dass ich zu weit unten war und ein gutes Bild unter diesem Umständen unmöglich schien. Also suchte ich beim Gestrüpp einen „Eingang“, wo ich einigermaßen durchpasste. Fand diesen sogar und zwängte mich durch. Und ein umgekippter und teils schon verwester Baumstamm erwies sich als nützlich, damit ich auf das Gleisbett drauf kam. Mit Mühe und leichter Not schaffte ich es dann sogar. Zwar war mir leicht mulmig zumute, weil ich genau wusste das das was ich tat eigentlich nicht erlaubt war, aber was tut man nicht alles für ein gutes Photo?

Im Anschluss ging ich ein paar Schritte auf dem Gleis auf den Stadtwald zu und knipste schließlich ein, zwei Bilder, von denen ich hoffte dass sie gut aussehen würden. Das Ergebnis ist hier zu sehen:

Ich denke, die beiden Bilder sind mir schon aus dem Grund recht gut gelungen, weil ich mich nicht einfach hingestellt und geknipst habe, sondern etwas dafür tat, dass ich diese Bilder auch machen konnte. Denn ganz leicht war es für mich nicht. Vor allem, wieder von meiner Position auf dem Gleis wieder runter zu kommen.

 

Denn um wieder vom Gleis herunter zu kommen musste ich denselben Weg über den alten morschen Baumstamm nehmen. Und Todesmutig wie ich war, sprang ich sogar auf halber Höhe einfach vom Baumstamm herunter. Zwar fiel ich nicht unsanft zu Boden, weil die Erde zusätzlich mit Blattwerk belegt war, dafür aber äußerst unelegant. Ein Glück dass das keiner gesehen hat. Dennoch musste ich gestehen: das hat Spaß gemacht. Und als nächstes springe ich von einem Baum. … nicht!

Doch bevor ich den kleinen Friedhof verließ und meinen Weg nach Hause antrat, schoss ich noch folgendes Foto, was mich etwas nachdenklich stimmte, als ich das Motiv so betrachtete:

Der Efeu an diesem Baum, so habe ich mal gehört, soll dafür sorgen, dass dem Baum Licht und Lebenskraft entzogen wird, so dass der Baum nach und nach langsam aber sicher abstirbt. Der Efeu ist demnach wie ein Parasit. Doch was hat der Efeu davon, den Baum über kurz oder lang zu Fall zu bringen? … Mich hat der Gedanke leicht traurig gestimmt.

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