Ich bin ein Junkie …!

Zunächst einmal eine kleine „Warnung“ an erster Stelle: Dieser Text dürfte sehr lang werden. Wer kaum bis gar keine Zeit für lange und langweilige Texte hat, der sollte jetzt aufhören zu lesen und sich lieber wichtigen Dingen widmen, wie spazieren gehen, essen, die Wohnung putzen, … atmen. Dieser Text ist eine Gedankennotiz, eine Art Tagebucheintrag, wenn man so will. …. Nach langer Zeit mal wieder. … Er enthält in jedem Fall sehr persönliche Ansichten, meine Denkweise und auch einiges was seit meinem letzten Tagebucheintrag geschah, zusammengefasst und als negativ erscheint. Daher möchte ich darum bitten, wenn das gelesene missfällt: einfach ignorieren. Denn es sind nur meine subjektive Meinung, meine Sichtweise (wie gesagt) und außerdem … ich muss mir jetzt aus gegebenem Anlass auch mal etwas Luft machen. ..

Ich bin schon länger auf der Suche nach einer Partnerin, grob geschätzt, seit ich das Internet für mich entdeckt habe. Das war so um das Jahr 2001/2002 herum, sprich: zirka 16 Jahre. Als introvertierter Mensch mit sozialen Phobien und allerhand anderen seelischen Problemen war es für mich zum einen damals nicht möglich „einfach raus zu gehen“ und Frauen auch nur nahe zu kommen. Das hatte viele Gründe. Außerdem war ich damals noch auf dem Stand eines Kleinkindes, das alle Mädchen/junge Frauen „doof“ fand. Wie gesagt, das war bevor ich das Internet für mich entdeckte und somit auch zwangsläufig auf das weibliche Geschlecht traf und mich mit der holen Weiblichkeit unterhielt.

Mit den Jahren lernte ich das Internet richtig kennen und erkannte, dass es für mich wie geschaffen war. Das Internet war für mich der Ort, an dem ich mich frei entfalten und meine Persönlichkeit entwickeln konnte. Anfangs natürlich mit Problemen und ich eckte oft und viel an. Doch ich lernte dazu, lernte zu interagieren, die Gesellschaftlichen Normen und Gepflogenheiten kennen und verinnerlichte sie. Ich reifte heran, wurde selbstsicherer, entwickelte meine Persönlichkeit immer weiter und kam dadurch auch merklich besser an. Ich ging virtuelle Freundschaften ein, verlor sie wieder aus den Augen, traf neue Leute, freundete mich mit ihnen an, entwickelte mich in andere Richtungen, man verlor sich wieder aus den Augen. Machte meine Erfahrungen, gute wie schlechte. Habe schöne wie unschöne Erinnerungen. Ebenso wie im richtigen Leben. Nur dass das Reallife hierbei nahezu stillstand, für mich. Das echte Leben war für mich ein Ort, an dem meine Entwicklung nahezu stoppte. Das ist bis Heute so geblieben.

Macht auch nichts, denn was ich im Reallife machen muss, das kann ich: einkaufen, meinen Pflichten als Wohnungsbesitzer nachkommen, Behördengänge, allgemein für mich sorgen, das ist kein Problem. Und natürlich habe ich trotz allem (zwangsweise) auch im Reallife „gelebt“ und meine Erfahrungen gemacht. Kam mit Menschen zusammen und lernte auch hier mich zu „bewegen“, wenn auch mit erheblich mehr Schwierigkeiten, als es im Internet der Fall ist. Ich bin zurückhaltend, introvertiert, vorsichtig und eher scheu. All das, was ich im Internet nicht bin. Doch das ist ein anderes Kapitel meines Lebens. Hier möchte ich eher auf das eingehen, was mich quält.

Wie bereits weiter oben erwähnt, hatte ich den Kontakt zu Frauen aufgenommen und lernte auch hier, mich mit ihnen zu verständigen. Mehr noch, ich lernte mit der Zeit auch den Umgang mit ihnen. War ich anfangs (natürlich) noch holprig und ungelenk, wurde ich mit den Jahren immer selbstsicherer und textlich gesehen auch „attraktiver“, weil meine Entwicklung in allen Belangen voranschritt. Das steigerte sich teils sogar soweit, dass ich irgendwann so gut war, dass ich in einem Chat nur etwa eine Sitzung brauchte (von knapp 30 Minuten), um mein weibliches Gegenüber für mich zu gewinnen. Natürlich rein von der Ausstrahlung her, die ich über meine Worte transportierte. Das mag jetzt selbstverliebt und ein Stückweit selbstherrlich klingen, aber ich garantiere für den Wahrheitsgehalt meiner Worte. Das hatte auch nie etwas mit Manipulation zu tun, ich war einfach nur ich selbst. Und natürlich klappte es nicht bei jeder Frau. Überwiegend aber hatte ich schöne, tiefsinnige Gespräche.

Womit wir auch schon beim Hauptthema dieses Blogartikels sind. Natürlich habe ich (nahezu) von Anfang an im Hinterkopf die Hoffnung gehabt, eine Frau für mich zu gewinnen. Natürlich hatte ich gewisse unerfüllte Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche. Die hat wohl jeder, darf ich an dieser Stelle behaupten. So hatte auch ich immer nur den einen Wunsch nach Nähe, Geborgenheit, dem Austausch von Zärtlichkeiten. Sich in der Nähe der Partnerin gut und sicher fühlen. Gemeinsam die Einsamkeit besiegen. Wie oft saß ich damals auf meinem Bett, die Augen geschlossen, döste vor mich hin, mitten am Tag und träumte mir eine Welt zurecht, in der ich eine Freundin habe. Stellte mir diverse Szenen vor. Das ging soweit, dass ich sogar in der Tagesstätte, in die ich eine Weile ging, ein „Erlebnis“ hatte, was ich bis Heute nicht vergessen kann: …

Ich war mal wieder (auf meinen Wunsch hin) der Küche zugeteilt worden, ein Bereich der mir gut gefiel, weil die Arbeiten dort sehr einfach waren und es nie wirklich viel zu tun gab. Am besagten Tag hatte ich mich einfach nur um das Essen auf dem Herd zu kümmern. Ein riesiger Topf in dem irgendwas Essbares vor sich hin blubberte. Ich sollte nur hin und wieder mal umrühren. Alle anderen waren im ersten Stock mit basteln oder anderen Dingen beschäftigt, oder waren raus gegangen, spazieren. Ich lehnte derweil an einem der Küchentische direkt neben dem Herd, schaute um mich herum und geriet – wie so oft in solchen Situationen, wenn man nicht beschäftigt ist – in’s Tagträumen. Ich stellte mir irgendwann vor, wie eine große, wunderschöne Rothaarige (ich stehe total auf rote Haare) Frau auf mich zukam … und mich einfach nur umarmte. Sie sagte nichts, sie schaute mich nur an und umarmte mich dann. Diese „Umarmung“ fühlte sich unglaublich real an und .. bei Gott, es tat so gut!!! …

In diesem Moment realisierte ich, dass ich gerne eine Freundin gehabt hätte, die mich in diesem Augenblick einfach nur stumm umarmt, mir damit zu verstehen gibt, dass alles gut ist.

Solche und ähnliche Momente der Sehnsucht, Tagträumereien und dergleichen gab es unzählige. Besonders intensiv und quälend empfand ich diese, nachdem ich durch einen von mir selbst abgebrochenen Suizidversuch in eine Auffangklinik kam. Danach wurde es nur schlimmer und nicht besser. Meine Tagträume verselbstständigten sich oft und machten mir – zusätzlich zur damaligen Wohnsituation mit meiner Mutter, die ständig negativen Einfluss auf mich ausübte – extrem zu schaffen. Ich sah in dieser Phase meines Lebens keinen Sinn mehr in meinem Leben, wo nahezu jeder Tag nur aus seelischen und psychischen Qualen bestand. Ich sehnte mich nach Ruhe, Harmonie und Geborgenheit. Bekam jedoch das glatte Gegenteil .

In den letzten zweieinhalb Jahren, die ich den vermeintlichen Durchbruch mit meinem endgültigen Auszug aus der gemeinsamen Wohnung schaffte, quälte ich mich weiter. Meine Suche konnte ich intensivieren, meine Wünsche und Hoffnungen neu sortieren und in Ruhe neue Ziele setzen. Ich hatte die „Freiheit“, nun selbst zu entscheiden und hatte gehofft, nun könne ich meinem ersehnten Ziel ein großes Stück näher rücken, weil mir nun nichts mehr im Weg steht. Weil ich nun alleine lebe, selbstbestimmt. Daher suchte ich wieder intensiver, gab mich nicht mehr länger meinen Tagträumen hin und holte das was ich mir damals nur vorstellen konnte in die Realität.

Ich begann erneut zu lernen, mich neu zu orientieren. Quälte mich mehr denn je durch neue „Spielregeln“ und nahm eine Niederlage nach der anderen hin. Wurde mit allgemeinen Sprüchen abgespeist, bedauert, ausgelacht, beleidigt, verarscht und am Ende immer und immer wieder alleine gelassen, so dass ich mir irgendwann verbittert sagte: es ist einfacher, nur dumme Sprüche abzugeben und sich dann ganz schnell zu verkrümeln, statt dass auch nur eine sagt: „Hey, wie wäre es mit mir?“. Viele sagten, als ich vorsichtiger wurde, dass sie nicht so wären wie „die anderen“, dass sie nicht einfach den Kontakt abbrechen würden, und wenn, dann einen Grund nennen. Auch hier wurde ich bitter enttäuscht. Dennoch machte ich weiter. Ich nahm weiter Kontakt auf, registrierte mich in einem Portal nach dem anderen, kämmte eine Singlebörse nach der nächsten durch. Nutzte Tinder, Lovoo, Whats App, Jappy und co. Gab sogar Geld aus, für ein Jahres-Abo. Ohne Erfolg. Immer wieder enttäuscht zu werden tut weh.

Die Selbstreflexionen nahmen kein Ende. Ich fragte mich was an mir oder meiner Art so falsch ist. Nahm die vielen Fehlversuche hin, nachdem ich realisierte, dass ich hier und da grobe Fehler gemacht hatte. Lernte daraus. Wurde verschlossener, erwähnte dieses und jenes nicht mehr. Fing noch einmal von vorne an. Wieder Enttäuschung. Und immer wieder dieselbe Frage nach dem „warum“. Doch ich machte weiter, versuchte es wieder und begann neue Formen der Abneigung kennenzulernen: Ablehnung durch Desinteresse. Nun … Desinteresse ist an sich nicht schlimm, wenn sie begründet ist. Doch in diesem Fall bestand das Desinteresse aus absoluter Stille. Und wenn ich mit etwas absolut so überhaupt nicht zurecht komme, dann mit Stille. Ich hasse das Gefühl, ignoriert zu werden. Vor allem dann, wenn ich darum bitte, wenn ich förmlich um Aufmerksamkeit bettele.

Gut, ich wurde schon mehrfach in verschiedenster Form darauf hingewiesen, wenn Frau nicht reagiert, dann hat sie kein Interesse. Kann man mit leben. Doch wenn es bei absolut JEDER Frau so geschieht und Dich ALLE Frauen ignorieren, dann denkst du irgendwann nicht mehr: „oh, sie hat wohl in meinem Profil was gefunden was ihr nicht zusagt, oder ihr passt meine Nase nicht“, sondern nur noch: bin ich so abstoßen hässlich und ist es echt unmöglich so etwas wie mich zu mögen? … Und dieses Gefühl brennt sich dir irgendwann ein. Und dennoch gibt es irgendwann wieder den Punkt, da machst du weiter. Du ignorierst das, was du dir beim letzten mal geschworen hast und beginnst wieder von vorne. Und dann gibt es wieder einen Lichtblick, du lernst plötzlich durch einen Zufall wieder jemanden kennen. Du merkst, sie hat Interesse an dir, ihr versteht euch anfangs gut. Alles wunderbar. … …. … bis zum nächsten Fehler, den du begehst. …

Meine Fehler heißen „Offenheit“ und „Ehrlichkeit“. Darf ich vorstellen: Offenheit – ist immer und überall bei mir anzutreffen. Ich erzähle nach einer Weile nahezu alles über mich, würde sogar meine gesamten Tagebuchromane an sie abgeben, damit sie ein umfassendes Bild von mir und über mich erhält. Auch vor Peinlichkeiten mache ich nicht halt. Warum? Weil ich so erzogen wurde und der Meinung bin, dass nur gegenseitige Offenheit eine Basis für Vertrauen und Verständnis ist. Und dass genau das ein großer Fehler ist, habe ich jüngst erfahren müssen. War ein bisschen zu offen und zu ehrlich, weil ich die „Spielregeln“ missachtete und nicht wusste, was für sie NoGo’s sind. Das Ende vom Lied war: virtueller Kontakt: ja, realer Kontakt mit Treffen und so weiter: definitiv nein.

Das tat weh!

Und mein Fazit, was ich hier voller Verbitterung aus dem ganzen zog, war: Lieber lügen bzw. gar nichts sagen, einmal mehr schweigen und sowieso am besten alles abbrechen. Diese ganze Partnersuche aufgeben und sich nicht weiter quälen. Nicht noch einmal riskieren dass dir jemand weh tun kann. Denn, und das ist hier das wahre Problem, bei dem ganzen hin und her ist der einzige der leide, man selbst. Sein Gegenüber kümmert das nicht, bekommt davon eh nichts mit. Und das ist es doch gar nicht wert, oder? Dass man sich für etwas quält, was einem gar nichts bringt. Wenn man merkt, dass man vom Aussehen her, von seiner Art, dem Gesellschaftlichen Status und der Unfähigkeit eine Beziehung zu führen vollkommen unterqualifiziert ist. Wenn man merkt, dass man ignoriert wird, weil es dein Gegenüber nicht einmal für nötig hält, dir zu sagen, warum sie dich ignoriert. Wenn man weiß dass es sich immer nur im Kreis dreht, das Karussell.

Dennoch beginnt man irgendwann wieder von vorne. Man weiß dass es einem nicht gut tut, dass man wieder leiden wird. Es wird ignoriert. Alles was war, all die finsteren Gedanken, all die Quälerei, all die depressiven Verstimmungen, die Tränen die man unnötig vergießt, all das wird vergessen. Für den nächsten Kick. Die nächste Begegnung, bei der man wieder Hoffnung schöpft, wieder ein Hochgefühl hat. Wieder denkt: jetzt klappt es doch. Es muss klappen. Nur um danach wieder auf der Schnauze zu liegen.

Im Dreck, wo man hingehört.

Weil man ein Junkie ist.

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